Nun also auch Lingen. Nach dem Oldie-Reaktor Krümmel hat es in der Nacht zu Freitag auch Deutschlands zweitjüngsten Atommeiler erwischt. Gäbe es eine Schweinegrippe für Kernkraftwerke, man könnte an einen bösartigen politischen Virus glauben. Noch eine Steilvorlage für AKW-Gegner, mitten im Wahlkampf. Als ob die Pannenserie nicht längst reichte.
Mit Lingen liegt nun Atomkraftwerk fünf platt darnieder. Stillstand bis zur endgültigen Klärung der Ursache. Fast jeder dritte deutsche Atommeiler ist damit unfreiwillig außer Betrieb. Die Lichter sind deshalb nicht ausgegangen. Aber verlässliche Stromversorgung sieht anders aus.
So wie in Krümmel, war es nun auch in Lingen eine Fehlermeldung im Transformator, die die Schnellabschaltung des Reaktors auslöste. Deswegen allein sind jedoch beide Vorgänge nicht unbedingt zu vergleichen. In Krümmel gab es immerhin einen veritablen Kurzschluss. In Lingen offenbar "nur" eine Messgeräte-Störung. Und Betreiber RWE hat offenbar vom Desaster des Konkurrenten Vattenfall gelernt.
Die Atomaufsicht wurde diesmal umgehend eingeschaltet. Dennoch deutet der Vorfall darauf hin, dass die Transformatoren der deutschen Meiler technische Schwachstellen sind. Und bislang unterliegen diese Verbindungsstellen zwischen Reaktor und Stromnetz nicht einmal der Atomaufsicht. Der Vorfall in Lingen muss Anlass sein, sämtliche AKW-Trafos auf den Prüfstand zu stellen. Allein schon als vertrauensbildende Maßnahme. Denn anders als bei der Schweinegrippe wissen auch verunsicherte Stromkunden: Händewaschen hilft nicht gegen AKW-Pannen.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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