Blödsinn, sagt der entdokterte Karl-Theodor zu Guttenberg, hat er in seiner Dissertation entdeckt, als er jetzt gelegentlich noch mal hineingesehen hat. In anderen noch blöderen Situationen hat er bislang immer einen Blöden gefunden, der für ihn den Kopf hinhalten musste: Generalinspekteur und Staatssekretär im Fall des Luftangriffs von Kundus, der Schiffskapitän in der Gorch-Fock-Affäre. Diesmal aber, so hieß es, könne er keinen anderen entlassen, um von sich selbst abzulenken.
Doch weit gefehlt! Der Baron Münchhausen der deutschen Politik versucht sich auch jetzt wieder aus dem Schlamassel zu ziehen, indem er andere blöd dastehen lässt – allen voran seinen Doktorvater. Die Untiefen des Guttenberg’schen Elaborats, die der Verfasser nun selbst und auf die Schnelle erkannt haben will, müssen seinem Professor auch bei gründlicher Prüfung verborgen geblieben sein. Summa cum laude für ein Opus voller Peinlichkeiten (O-Ton Guttenberg). Eine schöne Blamage für den akademischen Lehrer, die bleibt, während der Eleve sich an ihm schadlos hält und sich mit seiner pseudo-heroischen „Man muss zu seinen Fehlern stehen“-Nummer noch moralisch von ihm absetzt.
Dass solche Brüche mit den guten Sitten den Verteidigern Guttenbergs nicht selber wehtun, ist nur mit einer Lokalanästhesie des Stilempfindens erklärbar. Irgendwann aber lässt die Betäubung nach, und dann sollte der Schmerz umso größer sein. Der Bundestag hat diesen Moment gestern in der Debatte über die Bundeswehrreform schon einmal vorweggenommen und einen Minister vorgeführt, dem es für diese gewaltige Aufgabe an moralischer Kraft mangelt.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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