Man möchte ihn glatt in den Arm nehmen und trösten, den armen Hermann Otto Solms. Das FDP-Urgestein möchte mit seinen fast 69 Lenzen noch Finanzminister werden. Er hat elf lange Jahre darauf gewartet, und jetzt dies: Kaum bietet sich die halbwegs realistische Chance, den Top-Posten im schwarz-gelben Dreamteam zu übernehmen, muss der Bedauernswerte feststellen, dass (ihm) dort ein "Scherbenhaufen" hinterlassen worden ist.
Das liberale Gejammer erinnert an das drängelnde Kleinkind, dem Einlass in eine längst geräumte Krabbelstube gewährt wird und das sich wundert, dass die Spielsachen weg sind. Wer ist schuld? Klar, die Vorgänger, rügt der Möchtegern-Steuersenker Solms, und zeigt damit nicht nur auf die Roten, sondern auch auf die Schwarzen. Was sagt uns das? Dass die Gelben nach einer Woche Koalitionsanbahnung in der Realität angekommen sind. Dass sie seit Monaten geschlafen oder sich Augen und Ohren zugehalten haben. Und dass die FDP demnächst ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem bekommen könnte. Aber was soll´s, Schuld waren ja eh die anderen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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