kalaydo.de Anzeigen

Kommentar: Die falsche Fährte

Die Tat von Ansbach zeigt: Wenn ein frustrierter Mensch den einzigen Ausweg in Gewalt sieht, wird er sich jedes Mordinstruments bedienen. Im Zentrum müssen deshalb die jungen Menschen stehen, nicht die Diskussion um Waffen. Von Mark Obert

Marc Obert ist Magazinredakteur der Frankfurter Rundschau.
Marc Obert ist Magazinredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Routine schleicht sich ein in die Wahrnehmung solcher Taten wie jene in Ansbach, die Sprache gibt darauf den ersten Hinweis. Von Amoklauf war schnell die Rede. Auffallend anders als bei den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden ist jedoch die Wahl der Waffen. Zwei Molotowcocktails warf der 18-jährige Täter in die Klassenräume, bei sich hatte er noch Messer und eine Axt.

Die Untersuchungen in den nächsten Wochen werden zu klären versuchen, ob der Täter von Ansbach im Gegensatz zu den Amokschützen in der Absicht gehandelt hat, sich am Ende selbst zu töten. Man wird ihn dazu und zu seinen Motiven selbst befragen können. Eine Chance.

Denn so sehr Kriminologen bemüht sind, anhand der Tathergänge die Tätertypen zu unterscheiden, so offenbar wurde in den Debatten nach jedem Schulmassaker das Bedürfnis der Gesellschaft nach allgemeingültigen Erklärungen, nach wirkungsvoller Prävention.

Nach Winnenden gipfelte die notwendige Diskussion um die Waffengesetze in der absurden Forderung, ein Spiel wie Paintball zu verbieten - als wäre es im Gegenteil nicht sogar im Sinne der Prävention sinnvoll, dass junge Männer in der Simulation militärischer Gewalt Aggression abladen können.

Die Tat von Ansbach nämlich macht auch deutlich: Wenn ein frustrierter oder gar psychisch gestörter Mensch den einzigen Ausweg in der Gewalt gegen andere sieht, wird er sich jedes verfügbaren Mordinstruments bedienen. Deshalb: Die Diskussion über die Waffen muss am Rande geführt werden. Im Zentrum müssen die jungen Menschen stehen.

Autor:  Mark Obert
Datum:  18 | 9 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Anzeige

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Video
Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Spezial

Katholische Kirche und Reformpädagogik unter Druck: Immer mehr Fälle sexuellen Missbrauchs werden bekannt.