Routine schleicht sich ein in die Wahrnehmung solcher Taten wie jene in Ansbach, die Sprache gibt darauf den ersten Hinweis. Von Amoklauf war schnell die Rede. Auffallend anders als bei den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden ist jedoch die Wahl der Waffen. Zwei Molotowcocktails warf der 18-jährige Täter in die Klassenräume, bei sich hatte er noch Messer und eine Axt.
Die Untersuchungen in den nächsten Wochen werden zu klären versuchen, ob der Täter von Ansbach im Gegensatz zu den Amokschützen in der Absicht gehandelt hat, sich am Ende selbst zu töten. Man wird ihn dazu und zu seinen Motiven selbst befragen können. Eine Chance.
Denn so sehr Kriminologen bemüht sind, anhand der Tathergänge die Tätertypen zu unterscheiden, so offenbar wurde in den Debatten nach jedem Schulmassaker das Bedürfnis der Gesellschaft nach allgemeingültigen Erklärungen, nach wirkungsvoller Prävention.
Nach Winnenden gipfelte die notwendige Diskussion um die Waffengesetze in der absurden Forderung, ein Spiel wie Paintball zu verbieten - als wäre es im Gegenteil nicht sogar im Sinne der Prävention sinnvoll, dass junge Männer in der Simulation militärischer Gewalt Aggression abladen können.
Die Tat von Ansbach nämlich macht auch deutlich: Wenn ein frustrierter oder gar psychisch gestörter Mensch den einzigen Ausweg in der Gewalt gegen andere sieht, wird er sich jedes verfügbaren Mordinstruments bedienen. Deshalb: Die Diskussion über die Waffen muss am Rande geführt werden. Im Zentrum müssen die jungen Menschen stehen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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