kalaydo.de Anzeigen

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

16. Oktober 2012

Kommentar: Die Praxisgebühr läuft langsam ab

 Von Daniela Vates
Die Koalition streitet über die Abschaffung der Praxisgebühr. Foto: dpa

Die Liberalen wollen die Abschaffung der Praxisgebühr und legen damit einen erstaunlichen Realismus an den Tag.

Drucken per Mail

Die Praxisgebühr sollte eine Lenkungswirkung haben. Die Leute sollten, einfach gesagt, lieber mal zu Hause bleiben und Kamillentee trinken oder im Büro ein entspannendes Schläfchen halten statt wegen jedes Zipperleins zum Arzt zu rennen. Und so ihre Krankenkasse Geld kosten, in die sie vorher eingezahlt haben.

Die Praxisgebühr hat tatsächlich eine Lenkungswirkung entfaltet: Geringverdiener gehen in Deutschland deutlich seltener zum Arzt als in anderen Ländern, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können oder wollen. Das hat die OECD festgestellt. Zehn Euro können eine Hürde sein. Diese Kranken kosten dann erst einmal kein Geld. Aber es kann sein, dass sie mittelfristig die Kassen umso teurer zu stehen kommen, weil sich bei ihnen eine nicht erkannte Krankheit verfestigt hat.

Die FDP hat also recht, wenn sie die Abschaffung der Praxisgebühr fordert – auch wenn sie dabei wohl weniger an die Geringverdiener als die über Bürokratie klagenden Ärzte denkt. Die Union will den Liberalen diesen Punkt nicht gönnen und schlägt vor, stattdessen den Beitragssatz zur Krankenversicherung zu senken. Geringe Beitragssatzsenkungen seien für die Arbeitnehmer im Geldbeutel kaum zu spüren, antwortet die FDP. Soviel Realismus war lange nicht mehr bei den Liberalen, die gerade noch einen niedrigeren Rentenkassenbeitragssatz erzwungen haben.

Jetzt kommentieren

Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Die FR erscheint weiter

"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.

Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."

Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.

Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.

Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagte während des "Arabischen Frühlings" den Aufstand gegen die Autokraten. Lesen Sie hier, was aus den revolutionären Bestrebungen geworden ist und wie die politische Lage in Arabien heute aussieht.

Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Anzeige
Fotostrecke
Plaßmanns Welt 2013 (20 Bilder)
Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige
Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.