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Kommentar: Die Sprache der Elite

Jörg Schindler ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Jörg Schindler ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Ein Ministerpräsident verwechselt die - völlig berechtigte - Kritik an Gierhälsen in Nadelstreifen mit einer "Pogromstimmung". Ein "Weiser" aus dem Monetären-Land vergleicht gescholtene Manager mit verfolgten, deportierten, ermordeten Juden. Einem Ex-Kanzler (CDU) fällt zu Boykottaufrufen gegen seine Partei das systematische Aushungern jüdischer Geschäftsleute ein. Ein anderer Ex-Kanzler (SPD) nennt Obama, Lafontaine und Hitler in einem Atemzug. Von "jüdischen Vermächtnissen" gar nicht erst zu reden.

Alles nur bedauerliche Ausrutscher? Aus der Welt zu schaffen mit einer Entschuldigung?

Es ist schon seltsam. Ausgerechnet die "Führungselite" Deutschlands, die vor laufenden Kameras so beredt nichts zu sagen versteht, verplappert sich immer in dieselbe Richtung, wenn für Petitessen ein monströses Äquivalent gesucht wird.

Die Liste mit großmäuligen Vergleichen und kleinlaut nachgereichten Entschuldigungen ist endlos. Und es sind nicht die Dümmsten, die sich auf ihr verewigt haben. Warum das so ist, lässt sich wohl nur mit Begrifflichkeiten aus der Psychologie erklären.

Nehmen wir zugunsten des netten Herrn Wulff an, dass hinter seiner verbalen Irrfahrt keine Taktik steckt und dass sein Bedauern aufrichtig ist. Er war nicht der Erste, er wird nicht der Letzte bleiben. Jeder aber, der wieder mal am Vorabend des 9. November den Mund aufmacht, sollte wissen: Neonazis und Rechtsextremisten nehmen derlei Entgleisungen als das, was sie nicht sein sollten. Für die Ewiggestrigen sind sie der Beweis, dass sie nur offen sagen, was andere heimlich denken. Und dafür gibt es wirklich keine Entschuldigung.

Autor:  JÖRG SCHINDLER
Datum:  8 | 11 | 2008
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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