Gestern kann nicht Mittwoch gewesen sein. Zumindest nicht im Hause Böhmer. Denn die Integrationsbeauftragte hielt eine Sonntagsrede. Darin beklagte die Christdemokratin die dramatische Lage vieler Migranten im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt. "Diese Großbaustellen der Integration" müssten verstärkt angegangen werden.
Die Diagnose ist schon viel zu oft genauso gestellt worden, ohne dass werktags etwas passiert wäre. Wie anders ist zu erklären, dass ein Drittel mehr Migrantenkinder als zuletzt die Schule ohne Abschluss verlassen? Dabei stammt jedes dritte Kind unter zehn Jahren aus einer Zuwandererfamilie. Unser aller Zukunft hängt davon ab, wie wir es schaffen, auch diese Kinder gut auszubilden.
Wer angesichts dieser Aufgabe den Nerv hat, über ein Betreuungsgeld nachzudenken, statt alle Kraft in Frühförderung zu stecken, wer ein selektionistisches Schulsystem verteidigt und über eine Analyse der Situation jedes fünften Bürgers "Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" schreibt, für den ist immer Sonntag. Da ruhen Großbaustellen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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