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Kommentar: Doppeldeutige Botschaften

Zumindest die Selbstmotivation ist den Grünen auf dem Parteitag gelungen. Wenigstens im Versenden von Erfolgsmeldungen sind die Grünen Spitze. Von Vera Gaserow

Vera Gaserow ist Korrespondentin der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Vera Gaserow ist Korrespondentin der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Sie sind die grünste der Parteien, die schnellste, stärkste, klügste. Nur ihr (Mit) Regieren kann die Welt aus der Krise retten - an Selbstüberschätzung mangelt es der kleinsten Parlamentspartei wahrlich nicht, wenn sie nun in den Wahlkampf startet. Nun ja, Klappern gehört zum politischen Handwerk, wenn man die Anhängerschaft auf Trab bringen muss.

Zumindest diese Selbstmotivation ist den Grünen auf dem Parteitag gelungen. Erstes Etappenziel erreicht: schwelender Richtungsstreit um die Koalitionsfrage verschoben, Parteilinke mit sozialen Einspritzern im Wahlprogramm versöhnt. Reihen fest geschlossen. Kratzer auf dem Spitzenduo wegpoliert. Im Versenden solcher Erfolgsmeldungen sind die Grünen Spitze.

Nur sie sind auch Meister im Formulieren doppeldeutiger Botschaften. Sie feiern ihr Spitzenduo - und geben ihm eins auf den Deckel. Sie wollen sich nicht einreihen in einen Wahlkampf ideologischer Lager - und heben im Innern schon mal Gräben aus. Sie verkörpern eine moderne Partei der Mitte - und es schüttelt sie, wenn sie an die FDP denken. Sie wollen offen sein für Bündnisse mit allen Parteien - und zeigen, dass ihr Herz doch eher links schlägt. Nur ist links bei ihnen nicht dort, wo es bei der Linkspartei pocht. Und das ist kein Millimeterunterschied.

Deshalb ist die Offenheit für alle Parteien, die sich die Grünen verordnet haben, mehr abstrakter Anspruch, als praktikable Möglichkeit. Nimmt man den Parteitag als Stimmungsbarometer, heißt die Prognose: Der grüne Kopf wäre durchaus bereit, eine Machtoption jenseits der Lagergrenzen auszuloten, der Bauch aber rebelliert schon jetzt dagegen.

Autor:  VERA GASEROW
Datum:  10 | 5 | 2009
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