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Kommentar: Dresdner Gegenwehr

Geht doch, Dresden! So sieht es aus, wenn eine Stadt das Gedenken an den schwärzesten Tag ihrer Geschichte nicht von Neonazis instrumentalisieren lässt. Von Volker Schmidt

Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Geht doch, Dresden! So sieht es aus, wenn eine Stadt das Gedenken an den schwärzesten Tag ihrer Geschichte nicht von Neonazis instrumentalisieren lässt. Hand in Hand haben sich 15.000 Menschen dem Marsch der Ewiggestrigen entgegengestellt und unter Glockengeläut nicht nur an die Opfer der Bombennacht erinnert, sondern auch an die wichtigste Lehre daraus: nie wider Krieg, nie wieder Faschismus.

Dabei halfen den Dresdnern viele eigens angereiste Demokraten - gut so, denn zeitweise hatte es so ausgesehen, als bekäme die Stadt keine ordentliche Gegenwehr auf die Beine. Die Polizei brachte auffällig viel Elan für die Bekämpfung derer auf, die für eine Blockade der Neonazi-Demo warben. Die Gerichte hatten den Umzug ja gestattet - und sogar erlaubt, dass sich die Neonazis am Neustädter Bahnhof trafen, von wo aus einst Juden in Vernichtungslager deportiert wurden. Das mag man geschmacklos finden; aber es gibt in Deutschland eben keine historisch unbelasteten Orte, an denen Nazi-Demos niemanden stören. Sie stören überall.

Das hat der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow nicht verstanden. Er sagte der Bild-Zeitung, "wir wollten erreichen, dass Neonazis nicht mit der Kulisse Frauenkirche im Hintergrund als Fernsehbilder durch die Welt flimmern". Zastrow geht es offenbar allein ums Image der Stadt; er leitet ja auch eine Werbeagentur.

Das Bild trüben wie so oft ein paar Krawallmacher, die Bankfilialen stürmten und Polizisten angriffen. Aber selbst wenn es einige hundert Wirrköpfe waren, die sich unter die Gegendemonstranten mischten: Auf der Gegenseite, bei den Geschichtsklitterern, standen nur Wirrköpfe.

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  14 | 2 | 2010
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