Auch wenn er als Zeuge gerufen wurde, Oberst Klein ist ein Angeklagter. Daher ist es durchaus mutig, dass der Offizier dem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stand. Schließlich hat er das wohl größte militärische Debakel in der Geschichte der Bundeswehr zu verantworten.
Klein befahl den Luftangriff auf zwei Tanklastzüge bei Kundus, bei dem bis zu 142 Menschen getötet und verletzt wurden, der einen Minister zum Rücktritt zwang, der einen geachteten Generalinspekteur um Amt und Ruf brachte, der den kompletten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan in Frage stellte wie kein Ereignis zuvor in der achtjährigen Geschichte der Isaf.
Da mag es erstaunen, dass der Oberst unbeirrt meint, seine Entscheidung sei "auf Grundlage der in der Nacht vorhandenen Informationen und Ressourcen rechtmäßig". Wo er doch Isaf-Einsatzregeln missachtet hat, um die fatale Bombardierung erst zu ermöglichen.
Andererseits: Was soll der Oberst tun? Er kann die Opfer bedauern; er trauert sogar um sie, und es hilft doch niemandem und macht nichts wieder gut. Er muss zur Aufklärung des Vorgangs beitragen. Auch das tut er. Er schilderte dem Ausschuss minutiös die Vorgänge im Gefechtsstand einschließlich etlicher bisher unbekannter Details. Und gab einen bestürzenden Einblick in die dubiosen Kommandostrukturen normaler Bundeswehr-Einheiten und der elitären KSK-Truppen.
Oberst Klein muss einen schrecklichen Fehler verantworten. Aber wie es nun aussieht, nicht allein. Mitschuldig sind jene, die den Kompetenzschlamassel im Kommandostand erst angerichtet haben.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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