EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist von Berufs wegen Lächler. Wo immer er auftaucht, versucht er, die Menschen mit Freundlichkeiten für sich einzunehmen. Gestern allerdings lächelte Barroso nicht nur. Nachdem er im EU-Parlament in Straßburg mit einer deutlichen Mehrheit wiedergewählt worden war, strahlte er wie ein Honigkuchenpferd. Aus seiner Sicht hat eine mehrmonatige Zitterpartie ein glückliches Ende gefunden.
Neben Barroso gibt es in Europa noch etliche weitere Politiker, die nach der Abstimmung in Straßburg erleichtert gewesen sein dürften, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mitten im Wahlkampf hat sie ein Problem weniger. Ein Denkzettel für Barroso hätte auch Merkel in die Defensive gebracht. Vor fünf Jahren, als sie noch nicht die Regierungsgeschäfte in Deutschland führte, war sie als CDU-Chefin die treibende Kraft hinter der Nominierung des konservativen Portugiesen. Genau so entschlossen machte sie sich jetzt für eine zweite Amtszeit stark. Ohne Merkels Werben hätte Barroso nie die Unterstützung aller 27 Staats- und Regierungschefs erhalten.
Barroso war in den vergangenen fünf Jahren ein schwacher Kommissionspräsident. Er wird in den kommenden fünf kein starker werden. Der 53-Jährige verspricht allen immer alles, er präsentiert sich als wandelnder Kompromiss. Im Zweifel erinnert er sich dann aber daran, wer in der EU die meiste Macht hat. Und das sind die großen Mitgliedstaaten. Aus Sicht der Regierenden in Berlin, Paris, London und Rom ist Barroso eine Idealbesetzung. Auch das wird sich Angela Merkel gestern dankbar vor Augen geführt haben.
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