Wenn die Bild-Zeitung nicht nur Sprachrohr der Union ist, sondern auch Lautverstärker für die Stimmung im Land, dann müssen bei der Union jetzt die Alarmsirenen geschrillt haben.
72 Prozent der Bundesbürger wollen, dass ältere Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden, ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Boulevard-Blatts. Das Votum kommt nicht unerwartet nach den Pannen in Krümmel. Für die Unionswahlkampfstrategen bedenklicher ist eher diese Zahl: Auch 68 Prozent der CDU/CSU-Anhänger wollen Alt-reaktoren umgehend ausknipsen.
Kein Wunder also, dass jetzt alle versuchen, sich vom Krümmel-Betreiber abzusetzen. Die Risiko-Technologie Atom soll einen Buhmann haben und möglichst nur einen einzigen Namen: Vattenfall. Mit der Exkommunikation des schwedischen Stromriesen aus der Nuklear-Gemeinde wollen Christ- und Freidemokraten ihr Postulat nach längeren Laufzeiten retten.
Keine Frage: Vattenfall stellt mit seiner Schlamperei und Unbelehrbarkeit alles in den Schatten. Doch allein mit Exorzismus lässt sich das Risiko der Nukleartechnologie nicht austreiben. Die Herren über Krümmel und Brunsbüttel sind zwar die Tölpel vom Dienst. In puncto Krisenmanagement und Kommunikation ist ihr Meiler tatsächlich ein Einzelfall. Aber was Störanfälligkeit und Pannen angeht, hat Krümmel viele Kompagnons, die etwa auf den Namen Biblis hören.
Nicht zuletzt hat Krümmel einen hälftigen Miteigner, den Eon-Konzern. Der streicht gern die Gewinne aus dem Meiler ein, duckt sich aber weg, wenn's dort mal wieder knallt und raucht. Für einen AKW-Betreiber auch kein Beweis für Zuverlässigkeit.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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