Zweifel bleiben. Zweifel daran, was von einem wissenschaftlichen Gutachten im Fall der wegen vermeintlichen Blutdopings gesperrten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zu halten ist, wenn die Schlüsse der Hämatologen von einem Pharmakologen gleich wieder in Zweifel gezogen werden. Hat die fünfmalige Olympiasiegerin nun also gedopt oder hat sie eine angeborene Blutanomalie, die allein zu den überhöhten Retikulozytenwerten führte? Letzte Gewissheit wird es wohl nicht geben in dieser vertrackten Causa, in der eine Athletin erstmals nicht aufgrund gefundener Substanzen überführt wurde, sondern mittels Indizien.
Wenn sich die Wissenschaft schon nicht einig ist, ob ein einziger auffälliger Blut-Parameter von mehreren relevanten Werten Beweis für Doping ist, wie können es dann die Juristen sein? Das eigentlich abgeschlossene Sportgerichtsverfahren gegen die 38 Jahre alte Berlinerin aufgrund der neuen Befunde wieder aufzurollen, ist das Mindeste, was ihr zugestanden werden muss.
Auch wenn es so aussieht, als wären die Antidopingkämpfer gleich beim ersten Indizienfall als Tiger gesprungen und würden als Bettvorleger enden, so dürfte dieses indirekte Nachweisverfahren (über das Blutprofil) für potenzielle Betrüger doch latent Schrecken verbreiten. Es gibt keine Alternative, zumal genetisch bedingte Anomalien auch im Sport die Ausnahme sind und nicht die Regel. Erst wenn Betrug aufgrund eines engmaschigen Kontrollnetzes weitgehend auszuschließen ist, muss man an der Leistung einer Ausnahmesportlerin wie Claudia Pechstein nicht von vornherein zweifeln.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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