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Kommentar: Europa als zahnloser Tiger

Schlechte Zeiten fürs Klima. Zu viele Faktoren sprechen dagegen, dass Ende dieser Woche auf dem UN-Klimagipfel im polnischen Poznan der Weg für eine Einigung im weltweiten Kampf gegen die Erderwärmung frei gemacht wird.

Knut Krohn ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Warschau.
Knut Krohn ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Warschau.
Foto: FR

Schlechte Zeiten fürs Klima. Zu viele Faktoren sprechen dagegen, dass Ende dieser Woche auf dem UN-Klimagipfel im polnischen Poznan der Weg für eine Einigung im weltweiten Kampf gegen die Erderwärmung frei gemacht wird. Vor allem Europa droht sich gründlich zu blamieren. Zwar haben sich die EU-Mitgliedstaaten im Frühjahr auf allgemeine Klimaziele verständigt, auch um als Vorbild aufzutreten und den Rest der Welt unter Zugzwang zu setzen. Doch angesichts der globalen Finanzkrise wird wenige Tage vor dem Ende des UN-Gipfels noch immer um die Verteilung der Lasten gestritten. Vor allem Polen stemmt sich gegen harte Regelungen in Sachen Schadstoffausstoß. Wie weit die Positionen auseinander liegen, zeigt der misslungene Vermittlungsversuch des französischen Präsidenten Sarkozy in Danzig vom Wochenende. Außer pathetischen Appellen an die Ehre Polens bringen wenig in einem Land, das seinen Strom zur Hauptsache aus Kohle erzeugt.

Weil Europa in Sachen Klimaschutz als zahnloser Tiger auftritt, starrt die Welt wieder einmal auf die USA. Die Hoffnung der Umweltschützer ruht auf dem künftigen Präsidenten Obama, der sein Land an die Spitze im Kampf gegen die Erderwärmung führen will. In Poznan sitzt aber noch die Delegation des Klimafossils George W. Bush, was ein gewisses Entscheidungsvakuum zur Folge hat. Dieser Schwebezustand scheint manchen Staaten aber überaus willkommen, um noch einmal alte Positionen zu zementieren. Schließlich müsse gewartet werden, heißt es allenthalben, bis der neue Chef im Weißen Haus die Geschäfte führt. Ein allzu durchsichtiges Argument, das drohende Scheitern zu kaschieren.

Autor:  KNUT KROHN
Datum:  8 | 12 | 2008
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Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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