Weltpolitische Krisen sind für die EU immer gefährlich - ganz egal, ob ihre Staaten unmittelbar davon betroffen sind oder nicht. Die Union der 27 möchte ein gewichtiger Akteur auf internationaler Bühne sein. Und doch läuft sie bei jeder größeren Auseinandersetzung Gefahr, sich spalten zu lassen und damit der Lächerlichkeit preiszugeben. Der EU-Gipfel zum Kaukasus-Konflikt war deshalb vor allem ein Akt der Selbstfindung und erst in zweiter Linie ein aktiver Beitrag zur Lösung der Krise.
Die Europäer mussten sich zwingen, gemeinsame Positionen zu finden. Sie wollten den Riss kitten zwischen jenen, die wie Briten, Polen und Balten ein hartes Vorgehen gegen Russland fordern, und jenen, die wie Deutsche und Franzosen mit Moskau im Gespräch bleiben wollen. Klar ist, Sanktionen gegen den unheimlichen Nachbarn im Osten wird es nicht geben. Gut so. Die Europäer können kein Interesse daran haben, ihr Zusammenleben mit Russland weiter zu erschweren. Sanktionen machen Großmächte meist gereizter, aber sie beeindrucken sie nicht. Politisch braucht der Westen Russland: Gegen dauerhaften Widerstand aus Moskau wird er auf dem Balkan oder in Afghanistan niemals Erfolg haben. Wirtschaftssanktionen schaden nicht nur dem Staat, gegen den sie gerichtet sind, sondern auch jenen, die mit ihm Geschäfte machen wollen.
Russland hat im Konflikt mit Georgien jedes Maß verloren. Es missbraucht ihn, um der Welt seine neue Stärke vor Augen zu führen. Aber es ist eben kein Land wie Simbabwe, das man ohne großen Schaden isolieren kann. Wer auf mächtige Staaten Einfluss nehmen will, muss sie einbinden. So schwer das manchmal fällt.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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