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13. Dezember 2010

Kommentar: Fahrender Frontschauspieler

 Von 

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert sich in Afghanistan. Die Soldaten missbraucht er als Kulisse.

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Was ist das, wenn ein Verteidigungsminister seine Soldaten im Einsatz besucht? Seine verdammte Pflicht? Ach was! Es ist, lässt Karl-Theodor zu Guttenberg uns wissen, "eine Frage des Herzens".

Nichts gegen die Soldatinnen und Soldaten, die sich, wenn der Minister kommt, über die Aufmerksamkeit und Anerkennung freuen. Sie machen schließlich die Drecksarbeit, und das wird auch würdigen, wer diesen Krieg für falsch und gescheitert hält. Nicht verdient aber haben sie es, als Kulisse missbraucht zu werden für die Werbespotisierung der Politik.

Werbung, vor allem im Fernsehen, tut genau das, was Guttenberg gewissenhaft zum Stilmittel seiner Karriere ausbaut: Werbung macht Image unter Umgehung des Arguments. Ob und was dieses Image mit dem Produkt zu tun hat, spielt höchstens eine zweitrangige Rolle. Oder wussten Sie, wie "aprilfrisch" riecht, bevor man Ihnen beibrachte, dass "aprilfrisch" nach Weichspüler riecht?

Das Produkt Guttenberg verschweigt seine wirklichen Inhaltsstoffe zwar nicht, so wenig wie der Weichspüler. Wer Kleingedrucktes und Packungsbeilagen liest, entdeckt auch hier eine ganze Menge realer Zutaten: von der Abschaffung der Wehrpflicht bis zum peinlichen Eiern bei der Bewertung des tödlichen Bombardements von Kundus vor einem Jahr. Und wer noch genauer hinschaut, entdeckt hinter der mehrsprachig parlierenden Glanzfigur die Konturen eines elitären, nationalistischen und in Teilen reaktionären Weltbildes.

Guttenberg ist nicht der erste Politiker, der sich medial inszeniert. Er ist auch nicht der erste, der das unter anderem mit Hilfe des Berufsopportunisten Johannes B. Kerner tut. Er ist aber der erste, der sein Bild fürs große Publikum mit letzter Konsequenz entpolitisiert. Nicht, dass er keine Politik zu bieten hätte, ist der Skandal an diesem Politiker. Sondern dass er sie gezielt vor den Leuten versteckt. Er wolle, dass der Afghanistan-Einsatz "nicht nur politisch getragen wird, sondern darüber hinaus", hat Guttenberg gesagt. Dass er politisch nicht getragen wird, jedenfalls nicht von der Mehrheit der Bevölkerung, ist bekannt. Für diesen Minister geht es nicht darum, uns zu überzeugen. Für ihn geht es ausschließlich ums "darüber hinaus": Emotionen zu wecken für ein Produkt, das der Kopf ihm nicht abkauft.

Dass Gattin Stephanie mitspielt, muss niemanden wundern. Sie weiß: Was seiner Popularität dient, hilft auch ihr, und nimmt dafür auch mal die dienende Rolle in Kauf. Die Kollegen von n-tv lagen versehentlich ganz richtig, als sie dem fahrenden Frontschauspieler bescheinigten, er habe "seine Frau Stephanie im Gepäck". Dass allerdings jemand aktiv mitspielt, der sich einen "Journalisten" nennt, müsste erstaunen. Aber es handelt sich um Johannes B. Kerner. Der hat den opportunistischen Trivial-Talk nicht erst gestern erfunden, und schon deshalb passt keiner besser zu dieser Guttenberg-Show als er. Die Truppe in Kundus sollte noch mal überlegen, ob sie für dieses Spiel noch öfter die Kulisse geben will.

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