Mit den Stiftungen, dürften jetzt manche denken, muss man kein Mitleid haben. Schließlich könne man Stiftungen doch eigentlich gar nicht anders verstehen als als Steuersparmodelle. Also sollte man sich um die Menschen in der Krise Sorgen machen, nicht aber um die ihren Einfluss ständig ausweitenden Stiftungen.
Das mag für manche ein hübscher Gedanke sein, er taugt aber nicht für das wirkliche Leben. Denn in diesem wirklichen Leben erweisen sich Stiftungen zumeist als überaus feinfühlige Sensoren, die auf bis dahin unbemerkte gesellschaftliche Entwicklungen eingehen. Auf Fehlentwicklungen, wohl gemerkt.
Das Stipendium, das die Hertie-Stiftung seit einem Jahr für Lehramtsstudenten mit Migrationshintergrund vorhält, ist dafür ein prägnantes Beispiel. Bis die Stiftung entsprechende Überlegungen anstellte, um mehr Migrantinnen in den Schuldienst zu locken, wunderte sich kein Mensch darüber, dass der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund bei 50 Prozent liegt, doch nicht mehr als ein Prozent der künftigen Lehrer aus diesen Zusammenhängen stammen. Deswegen gebührt den Stiftungen zwar längst kein Mitleid in der Krise, ihre Handlungsunfähigkeit wäre aber gleichwohl fatal. F7