So etwas nennt man einen politischen Querschuss. Auch wenn er von einem auf dem Altenteil kommt, er trifft eine grüne Problemzone. Mit einem energiepolitischen Rundumschlag hat sich der frühpensionierte Außenminister Fischer erstmals wieder ins Innerste seiner Partei eingemischt. Wo die Grünen mit einem "Kohle - nein danke" in den Wahlkampf ziehen, ruft ihnen ihr vormaliger Spitzenkandidat ein "Um Atom zu verhindern, Kohle - ja bitte" zu.
Gewiss, Fischer hat kein Amt mehr. Aber er ist deshalb kein Niemand. Und er erweist sich auch in seinem Pro-Kohle-Plädoyer als überzeugter Ökologe, den die Sorge ums Klima und die Atomkraft umtreibt. Die Grünen täten daher gut daran, die Intervention ihres Altmeisters ernst zu nehmen - auch wenn sie in der Sache gute Gründe für ihre Position haben, den Bau neuer Kohlekraftwerke bis auf weiteres zu stoppen. Diese Strategie muss jedoch überzeugend vermittelt werden. Besser als Fischer - und vor ihm Özdemir - kann niemand beweisen, dass das den Grünen bisher nicht gelungen ist, nicht einmal in den eigenen Reihen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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