Die beste Nachricht zu der potenziell folgenschweren Vorab-Veröffentlichung von Wahlergebnissen per Twitter: Noch hat kein Politiker gefordert, Twitter an Wahltagen zu sperren. Schon kursieren im Internet hämische Vorschläge, die kommenden Internet-Sperren gegen Kinderpornografie derart auszuweiten. Bei allem Spott geht es indes um das hehre Prinzip, die Wähler am Wahltag nicht unzulässig zu beeinflussen.
Die Weitergabe der Zahlen aus den Nachwahlumfragen bedient weniger einen Drang nach Herrschaftswissen von Politikern oder Journalisten, sondern erleichtert den professionell Neugierigen die Arbeit: Wie anders sollten sie um Punkt 18 Uhr mit Bewertungen und Kommentaren auf Sendung oder im Blatt sein?
Der Deal mit den Demoskopen beruht auf dem Prinzip "Information gegen Vertraulichkeit". Wie kann es bis zur Schließung der Wahllokale gewahrt werden? Die Antwort ist: gar nicht. Ein einziger Wichtigtuer genügt, und schon ist die Nachricht in der Welt. Geschwindigkeit und Vernetzung, die großen Stärken eines Kanals wie Twitter, torpedieren hier auch althergebrachte (Standes-)Tugenden.
Nicht einmal die mögliche Geldbuße von bis zu 50.000 Euro für den vorsätzlichen Bruch des Wahlgeheimnisses wirkt abschreckend. Darum dürfte auch ein Versuch ins Leere laufen, den Umgang mit den Exit Polls per Gesetz strenger zu reglementieren. "Informationen wollen frei sein", hat der Autor Stewart Brand 1984 auf einer Hacker-Konferenz formuliert. Das stimmt, schließt aber keineswegs den Appell aus, mit Informationen verantwortungsvoll umzugehen. In aller Freiheit, versteht sich.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
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