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Kommentar: Freund Westerwelle

Sind Sie Pflegerin oder Friseur? Dann haben Sie einen neuen Freund: Guido Westerwelle. Aber bevor Sie in Begeisterung verfallen: Der FDP-Vorsitzende meint nicht, dass Sie mehr Geld verdient hätten. Nur eben andere noch weniger. Von Stephan Hebel

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Sind Sie Pflegerin oder Friseur? Oder Kellnerin? Gehören Sie zu denen, die viel arbeiten und dafür so wenig bekommen, dass Sie manchmal denken: Da stünde ich selbst mit Hartz IV besser da? Dann haben Sie einen neuen Freund: Guido Westerwelle. "Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet." Klingt überzeugend, oder?

Aber bevor Sie in Begeisterung verfallen: Der FDP-Vorsitzende meint mit denen, die "nicht arbeiten", keineswegs Menschen, die von den Zinsen ihres Vermögens in ordentlichem Luxus leben. Ihnen - der Pflegerin, dem Friseur, der Kellnerin - will er für Ihren Fleiß nicht deren Einkommen versprechen. Sie sollen schön weitermachen für Ihr bisschen Geld. Und wenn der Abstand zu den Arbeitslosen nicht stimmt, dann sollen die eben weniger bekommen.

Warum? Weil sie für Westerwelle nicht in der großen Mehrzahl Bürger sind, die trotz besten Willens (ohne den ihnen Hartz IV gestrichen würde) keinen Job finden. Für Westerwelle sind sie die Genießer "anstrengungslosen Wohlstands". Mit diesen Worten verhöhnt er genau das, was unser höchstes Gericht verlangt: ein würdiges Existenzminimum für alle. Das ist für ihn "Sozialismus" (er sollte mal seine Kanzlerin fragen, was realer Sozialismus war!). Und er bedient sich eines uralten Mittels: die Armen auf die noch Ärmeren zu hetzen.

Nein, liebe Pflegerinnen und Friseure und Kellnerinnen: Ihr Problem sind nicht die Leute, die nicht mal einen Job mit Niedriglohn haben. Zu Ihren Problemen mag der "anstrengungslose Wohlstand" zählen - aber wenn Sie sehen wollen, wo der sitzt, dann lassen Sie sich nicht einreden, Sie müssten nach unten schauen.

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  13 | 2 | 2010
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