In düsteren Zeiten ist dies ein Zeichen der Hoffnung. Europaweit demonstrieren die Opelaner für ihre Arbeitsplätze und senden eine starke Botschaft wider Fatalismus und Egoismus aus. Mit ihrem grenzüberschreitenden Aktionstag zeigen die Arbeitnehmer, dass sie sich nicht wehrlos ihrem Schicksal überlassen. Und sie üben den Schulterschuss mit den Kollegen an den anderen Standorten, egal ob die in Deutschland, Großbritannien oder Polen zu Hause sind.
Hier lebt die europäische Solidarität, was in diesen Tagen keine Selbstverständlichkeit ist. In England protestieren Gewerkschafter gegen Arbeiter aus Osteuropa. In Italien hetzt der Regierungschef gegen Ausländer. In Spanien drangsaliert die Polizei Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis, die sie in guten Zeiten in Ruhe ließ. Gegen diesen neuen wirtschaftlichen Nationalismus haben die Autobauer einen machtvollen Kontrapunkt gesetzt.
Bei Opel fällt die Verbrüderung leicht, weil die Wut auf den gemeinsamen Feind, die böse Mutter aus Amerika, verbindet. Noch geht es außerdem nicht um konkrete Pläne für einen Stellenabbau. Noch geht es um das Große und Ganze, die Zukunft des Unternehmens insgesamt. Erst später, wenn es hart auf hart kommt und sich die Verhandlungen um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Rüsselsheim, Bochum oder Antwerpen drehen, wird sich zeigen, was die Solidaritätsbekenntnisse von heute wert sind. Und doch haben die Betriebsräte in den europäischen Opelwerken ihre Arbeit gemacht. Die Belegschaften gehen gut vorbereitet in die nächste Phase, in der es ans Eingemachte geht. Bislang hat der Spaltpilz bei den Opelanern keine Chance.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.