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Kommentar: Heimkinder im Blick

Zöglinge in Erziehungsheimen, als schwer erziehbar gebrandmarkt, Kinder aus gesellschaftlich nicht akzeptierten Verbindungen, abgeschoben, geprügelt, gequält, schikaniert, missbraucht das gab es in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem Ende des Krieges auch in Hessen.

Die Freiheiten der neuen Bundesrepublik waren nicht für alle da schon gar nicht in verfestigten Systemen wie Erziehungsheimen, die das Kaiserreich und Nazi-Deutschland überlebt hatten.

Die Gesellschaft krallte sich noch an alten Wertvorstellungen fest. Es waren gerade auch kirchliche Heime egal ob katholisch oder evangelisch, in denen mit Gewalt erzogen wurde; Hiebe statt Nächstenliebe praktiziert wurden.

Die Prügelheime sind nicht alle namentlich bekannt, die Peiniger vermutlich längst in Ehren ergraut und pensioniert. Häufig ist die Scham der Erniedrigten und Gequälten größer als der Wunsch nach Gerechtigkeit.

Dass der hessische Landtag den Heimkindern nun spätes Gehör garantiert, ist ein Teil überfälliger Vergangenheitsbewältigung anerkennenswert und notwendig. Die Gesellschaft muss auch nach Jahrzehnten hingucken.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  1 | 8 | 2009
Kommentare:  1
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