Im einsetzenden Bundestags-Wahlkampf schleppt die SPD eine Hypothek namens Jürgen Walter mit sich herum. Die Sozialdemokraten können tun, was sie wollen - diesen hessischen Schatten werden sie nicht los. Jedenfalls so lange nicht, wie Schiedskommissionen der Partei immer wieder um die Frage ringen, ob er gehen muss oder bleiben darf.
Dabei ist das Verhältnis längst zerrüttet. Walter hat seine Brücken in der Partei abgebrochen und seine Genossen verprellt, die einstigen Gegner auf der linken wie die früheren Bundesgenossen auf der rechten Seite. Nicht erst seit er das Ordnungsverfahren seiner Partei mit Stalins "Moskauer Prozessen" verglichen hat, ist das Tischtuch zerschnitten. In der SPD würde ihm keiner eine Träne nachweinen, wenn er ginge. Aber Walter bleibt - erst einmal.
Auch außerhalb der Sozialdemokratie schrumpft die Zahl von Walters Unterstützern. Selbst Journalisten, die der einstigen SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti die Schuld an ihrem Debakel gaben, sehen inzwischen Belege für eine Intrige ihres früheren Widersachers.
Dass auch noch führende CDU-Leute mit an den Strippen gezogen haben, macht die Sache nicht gerade ehrenhafter für die SPD-Abweichler um Walter. Immerhin haben sie bis zuletzt erklärt, sie hätten auf keinen Fall Roland Koch die Macht sichern wollen. Im Ergebnis taten sie es doch.
Die Abweichler haben den Spott, aber den größten Schaden trägt ihre Partei davon. Beim Wähler wecken sie die Erinnerung an eine zerstrittene Partei, die einen Trümmerhaufen hinterlassen hat. Das ist die Hypothek für jene, die dabei sind, die Trümmer wegzuräumen.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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