Der Bologna-Prozess ist zu Recht umstritten, aber er ist alternativlos. Selbst die härtesten Kritiker der größten Studienreform in Europa erkennen zehn Jahre nach der Einführung an, dass die politische Grundidee nach wie vor bestechend ist: ein Studium ohne Grenzen und ein ungehinderter Austausch zwischen Wissenschaftlern an den Hochschulen Europas.
Dass oft mehr Hürden auf- statt abgebaut wurden, kann man nicht einseitig der Reform anlasten. Wenn der Chef der deutschen Hochschulrektoren, Horst Hippler, Bologna nun madigmacht, hat er nur zum Teil Recht. Er und andere Hochschulchefs hatten es in der Hand, die Studiengänge auch nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Wer die Schmalspurausbildung beim Bachelor beklagt, könnte ihm auch mehr als sechs Semester gönnen. Beim Übergang zum Master bauen die Hochschulen ebenfalls neue Hürden auf, indem sie den Zugang durch Numerus clausus reglementieren. Die unterfinanzierten Hochschulen handeln zwar aus einer Notlage heraus, doch der Effekt ist verheerend. In diesem Jahr strömen so viele Studenten wie noch nie an die Universitäten. Doch die klugen Köpfe der Wissensgesellschaft müssen erst einmal um einen Platz im Hörsaal kämpfen.
Mit Bologna hat das wenig zu tun, aber sehr viel mit dem nicht gehaltenen Versprechen, dass Bildung in Deutschland Priorität hat.
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