Eine Friedenslösung für Nahost, die den Namen verdient, wird ohne Jerusalem nicht zu machen sein. Schon deshalb kann es nicht schaden, wenn die EU-Außenminister daran erinnern, dass diese unheilvoll heilige Stadt keiner Seite allein gehört. Die Welt hat die israelische Annexion des Ostteils nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 nie anerkannt. Auch die Palästinenser haben ein Recht auf Jerusalem. Die EU-Resolution weist darauf in moderaten Worten hin, jedenfalls im Vergleich zum Entwurf der Schweden. Sinn der Sache soll ja nicht sein, die Israelis vor den Kopf zu stoßen, sondern der palästinensischen Autonomieführung die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu erleichtern.
Es ist der europäische Versuch, für ein gewisses Gegengewicht zu sorgen, da doch Washington sämtliche israelische Ausnahmewünsche beim Siedlungsstopp geschluckt hat. Über Jerusalem will Premier Netanjahu mit den Palästinensern nicht mal reden. Dies nicht so stehen zu lassen, darin liegt der politische Zweck der Formulierungskünstler aus Brüssel.
Neun Jahre ist es her, dass Bill Clinton mit dem Lösungsmodell aufwartete, Jerusalems jüdische Viertel Israel zuzuschlagen und die arabischen den Palästinensern. Real besehen sind sie seit 42 Jahren Fremdkörper in Israels "auf ewig vereinter Kapitale". Noch will Benjamin Netanjahu nichts davon hören. Anders sein Vorgänger Ehud Olmert. Der hatte am Ende verstanden: Wenn eine friedliche Zukunft eine Chance bekommen soll, werden sich Israel und ein künftiges Palästina Jerusalem als Kapitale teilen müssen. Eine neue Mauer braucht es dazu nicht. Nur sehr viel Einsicht.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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