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14. September 2010

Kommentar: Jugend mit Januskopf

 Von Katja Irle

Die vielen Positiv-Botschaften, die die Shell-Studie bereithält, verblassen hinter dem Einblick in die Lebens- und Gefühlswelt jener zehn bis 15 Prozent derselben Generation, die schon als Schüler auf der Verliererseite stehen.

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Ätsch! Sie sind raus aus der Schmuddelecke, in die sie die Erwachsenen allzu gern gedrängt haben: karrieregeil und egoistisch, unpolitisch und anpassungswillig bis zur Schmerzgrenze. Stattdessen sorgt sich die Jugend wegen Ölpest und Atomkraft, engagiert sich in neuen sozialen Bewegungen und bleibt optimistisch trotz Wirtschaftskrise und der Aussicht auf prekäre Beschäftigung. Jammern gehört nicht zum Repertoire.

Optimistische Jugend? Wie immer ist der zuversichtliche Abiturient oder der Hauptschüler mit guter Aussicht auf die Wunsch-Lehrstelle nur eine Seite der Medaille. Die vielen Positiv-Botschaften, die die Shell-Studie bereithält, verblassen hinter dem Einblick in die Lebens- und Gefühlswelt jener zehn bis 15 Prozent derselben Generation, die schon als Schüler auf der Verliererseite stehen.

Knapp 70 Prozent der sozial Benachteiligten sehen düster in die Zukunft. Nur 40 Prozent glauben, dass sich ihre beruflichen Wünsche erfüllen. Diese jungen Leute sind keine notorischen Schwarzseher, sondern Pessimisten aus Erfahrung. Manche mögen diese Misere selbst verursacht haben, die meisten jedoch sind schlicht in der „falschen“ Familie aufgewachsen. Sie sind ohne Unterstützung im deutschen Bildungs- und Ausbildungssystem unterwegs und scheitern.

In der Sarrazin’schen Logik müssten sich diese Jugendlichen selbst aus dem Sumpf ziehen oder anderswo ihr Glück suchen. Dann blieben die pragmatischen Optimisten übrig. Aber für eine Bildungsrepublik mit Fachkräftemangel und dem Anspruch auf Partizipation aller Bürger kann das keine Option sein.

[ Die Entwicklung Frankfurts zum Nachlesen - in fünf Heften. Unsere Sonderreihe FR-Geschichte. ]

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