Vielen im Westen mag es böse aufstoßen: Hamid Karsai, der Wahlbetrüger, hat alle ausgetrickst. Bei allem Ärger sollte der Westen aber eins bedenken: Als Paschtune genießt Karsai - Wahlbetrug hin oder her - noch den meisten Rückhalt im Volk.
Dass die Wahl zu einem absurden Trauerspiel verkam, ist nicht nur Karsais Schuld. Vor allem die USA haben allzu oft dilettantisch agiert. Ohne Sinn und Not trieb Washington Karsai vor der Wahl mit persönlichen Attacken in die Konfrontation. Die stolzen Afghanen sind solche Schlammschlachten nach westlicher Manier nicht gewohnt. Nun müssen die USA zusehen, dass sie das schwer beschädigte Verhältnis flicken.
Der Westen ist der große Verlierer dieser Wahl. Er muss nun dem heimischen Publikum erklären, dass er eine Wahlfarce finanziert hat. Es war schon immer irreführend, den Militäreinsatz als Kampf für die Demokratie zu verkaufen. Der Erfolg am Hindukusch bemisst sich zuerst daran, ob man den Terror unter Kontrolle bekommt und ob die Afghanen ein Leben in relativer Sicherheit führen können. In beiden Fragen sieht es aber nicht gut aus.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
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