Mit einem gehörigen Schuss Gottvertrauen kann man vielleicht annehmen, dass die afghanische Stichwahl in knapp drei Wochen ein erträgliches Ergebnis bringen wird. Erträglich nicht wegen der Person des dann zum Präsidenten Erkorenen, sondern wegen der Umstände.
Die Instanzen, die vor zwei Monaten mit Hingabe gefälscht haben, sind ja nicht ausgewechselt worden. Sauberkeit wird sich nicht einstellen. Es wäre zu viel verlangt.
Hamid Karsai, bisher schon Präsident, hat sich zwar den permanenten Vorhaltungen der Beschwerdekommission und bedeutender Besucher aus dem Westen gebeugt. Vor allem Zalmay Khalilzad - bei Karsais erster Einsetzung ins Amt hat er sehr viele Strippen gezogen - betrieb Seelenmassage. Der Neokonservative, der unter der Bush-Regierung für alles Nah- und Mittelöstliche zuständig war, mag Karsai erst einmal aus der Klemme geholfen haben.
Der Makel des überführten Profiteurs umfassender Wahlmanipulation bleibt aber an Karsai hängen. Und damit ist Afghanistans Zukunft belastet, egal wie die Stichwahl ausgeht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.