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Kommentar: Kassensterben erwünscht

Was in der freien Wirtschaft verheerend wäre, ist im System der gesetzlichen Krankenversicherung sinnvoll. Warum brauchen wir 166 Kassen? Von Timot Szent-Ivanyi

Timot Szent-Ivanyi schreibt für die Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Timot Szent-Ivanyi schreibt für die Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Foto: FR

In der Finanzkrise haben die Deutschen gelernt, dass auch Firmen, die zum festen Bestandteil des Lebens in diesem Land geworden sind, abschmieren können. Quelle, Märklin, Schiesser - die Insolvenzen dieser Traditionsunternehmen spielten nicht nur in den Wirtschaftsnachrichten eine Rolle, sondern bewegten die Gemüter im ganzen Land.Nun müssen sich die Deutschen auf ein ganz neues Phänomen einstellen: Auch gesetzliche Krankenkassen können zahlungsunfähig werden und einfach von der Bildfläche verschwinden. Der erste Kandidat ist die City BKK, die schon seit längerer Zeit als Problemfall gilt. Experten geben davon aus, dass das nur der Anfang eines Kassensterbens sein wird.

Doch was in der freien Wirtschaft verheerend wäre, ist im System der gesetzlichen Krankenversicherung äußerst sinnvoll. Warum brauchen wir 166 Kassen, jede mit einem eigenen Verwaltungsapparat, jede mit einer gut bezahlten Vorstandsetage? Die große Koalition hat bei der Konstruktion des Gesundheitsfonds völlig zu Recht bewusst in Kauf genommen, dass es zu Fusionen und im Zweifel auch zu Pleiten kommen wird. Anders ist das Ziel, eine wettbewerbsfähige Kassenlandschaft zu etablieren, gar nicht zu erreichen.

Größere Kassen haben viele Vorteile: Die Verhandlungsbasis gegenüber Ärzten und Kliniken wird besser, die Verwaltungskosten sinken. Die Politik muss allerdings aufpassen, dass die Entwicklung jetzt nicht aus dem Ruder läuft. 30 bis 50 Krankenkassen dürften ausreichen, um den Wettbewerb um die beste Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Eine Einheitskasse kann dagegen niemand wollen.

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  16 | 6 | 2010
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