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Kommentar: Kein Anschluss bei Ypsilanti

Leichtgläubigkeit am Telefon wird bestraft. Aber lachen Sie nicht! Wenn Sie statt ihres Chefs nur einen mittelmäßigen Imitator vom Radio an der Strippe hätten - was würden Sie tun, fragt Stephan Hebel.

Stephan Hebel ist Mitglied der Chefredaktion der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Mitglied der Chefredaktion der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Wenn Sie seit Tagen nicht zu Andrea Ypsilanti durchkommen - Sie wissen schon, warum. Noch vor einer Woche, behaupten Experten, konnte man sich als Willy Brandt melden. Kurzes Rauschen zwischen Sekretariat und Chefbüro, und schon war sie dran: "Hallo Willy, ich wollte dich auch grade…" Nur Roland Koch hatte keine Chance. Und jetzt: Probieren Sie es! Sie können sich Müntefering nennen oder sogar van Ooyen - so leicht geht es nicht mehr mit Andrea Ypsilanti. Nicht mit ihr.

Lachen Sie nicht! Wenn Sie glauben, Sie hätten gerade sieben Minuten lang mit Ihrem neuen Chef telefoniert, aber dann war es nur ein mittelmäßiger Imitator vom Radio - was würden Sie machen? Genau: Ausstrahlung verbieten! Und dabei zusehen, wie der Wirbel um den blöden Fake die Zugriffszahlen bei You Tube explodieren lässt.

Nein, Sie würden nicht verbieten? Sie sind ja auch nicht die SPD. Wenn Sie die SPD wären, zumal die hessische und erst recht deren Vorsitzende, dann hätten Sie das Gefühl, von der Mehrheit der Journalisten (und "Freunden" wie Müntefering) als unbelehrbare und noch dazu unfähige politische Linksfahrerin diffamiert zu werden. Sie hätten damit sogar nicht immer unrecht.

Aber vielleicht hätten Sie, wenn Sie die SPD wären, noch die Kraft und Souveränität, das mehr oder weniger komische Ding auf der eigenen Homepage zu veröffentlichen, etwa im Rahmen einer kleinen Kampagne: "Wer uns wählt, hat immer Anschluss!" Dass Andrea Ypsilanti in dem Telefonat von irgendeiner Position abgewichen wäre, ist übrigens bisher nicht überliefert.

Sie sind aber nicht die SPD. Sie haben vielleicht sogar Humor.

Autor:  STEPHAN HEBEL
Datum:  15 | 9 | 2008
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