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Kommentar: Kein Raum in der Krippe

Immer mehr Eltern wollen Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Und dazu brauchen sie Betreuungsplätze. Die Regierung täte gut daran, vor dieser Realität nicht die Augen zu verschließen. Von Karl Doemens

Karl Doemens leitet das Berliner Büro der Frankfurter Rundschau.
Karl Doemens leitet das Berliner Büro der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Mal herhören, liebe Freunde der Herdprämie bei der CSU und liebe Steuersenker von der FDP! Weit mehr als die Hälfte aller Frauen mit Kinderwunsch wünscht sich einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs. Bei Akademikerinnen und in Großstädten liegt die Quote gar bei 70 Prozent. Tatsächlich gibt es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen aber gerade mal einen Krippenplatz für jedes fünfte Kind unter drei Jahren.

Man mag die Details der Umfrage, die der Städte- und Gemeindebund präsentierte, hinterfragen. Man mag aus weltanschaulichen Gründen auch weiter die klassische Familie mit dem Mann als Ernährer und der Mutter als Erzieherin idealisieren. Nur eines kann man nicht: die Augen davor verschließen, dass immer mehr Eltern Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen. Und dazu brauchen sie Betreuungsplätze.

Im Grunde hatte das auch Ex-Familienministerin Ursula von der Leyen so gesehen. Immerhin setzte die CDU-Frau einen Rechtsanspruch für Kleinkinder auf einen Krippenplatz ab 2013 durch. Bloß unterstellte sie dabei einen zu geringen Bedarf. Wenn der Ausbau im geplanten Tempo weitergeht, werden hunderttausende Eltern in die Röhre schauen.

Nun einfach den Rechtsanspruch zu kippen, wie dies einige Kommunen fordern, kann nicht die Lösung sein. Stattdessen müsste die Regierung dringend darüber nachdenken, wie sie das wichtige gesellschaftspolitische Versprechen einlösen kann. Eines lässt sich schon jetzt behaupten: Weder weitere Steuersenkungen auf Kosten der klammen Kommunen noch 150-Euro-Prämien für Mütter am Herd werden den dramatischen Krippennotstand beseitigen.

Autor:  Karl Doemens
Datum:  5 | 1 | 2010
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