Deutschland, das Land der Extreme. Bis zum Wochenende war die Impfkampagne gegen Schweinegrippe für viele lediglich eine groß angelegte Verkaufsaktion der Pharmaindustrie. Verschwörungstheorien geisterten durchs Internet. Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sah sich strengen Befragungen durch die Presse ausgesetzt. Dabei hatte sie nur umgesetzt, was Experten dringend rieten: möglichst rasch möglichst viel Impfstoff zu beschaffen. Es müsse befürchtet werden, dass sich im Winter der herkömmliche Grippeerreger mit der Schweinegrippe vermische und ein extrem gefährliches neues Virus entstehen könne.
Bislang sind Erkrankungen mit der nun auch Neue Grippe genannten Infektion viel milder verlaufen als die saisonale Grippe, die jährlich etwa 8000 Todesopfer in Deutschland verursacht. Doch die drei Todesfälle vom Freitag beunruhigen auch hierzulande, zumal da die Schweinegrippe in anderen Ländern heftiger verläuft. In Großbritannien sind bei ähnlichem Krankenstand bereits rund hundert Menschen gestorben, in der Ukraine redeten manche am Wochenende bereits von "Notstand".
Ob das rasche Handeln Ulla Schmidts gerechtfertigt war, wird erst am Ende des Winters feststehen. Das Misstrauen gegen das Impfen könnte viel eher kippen. Falls es wirklich zum großflächigen Ausbruch der Neuen Grippe kommen sollte, falls die Menschen die Arztpraxen stürmen, um sich die Spritze geben zu lassen, dann steht ausreichend Impfstoff bereit. Der hat sich bislang als gut verträglich erwiesen. Niemand ist zur Impfung gezwungen, jeder kann in Ruhe überlegen. Keine Panik also, trotz einiger Hiobsbotschaften.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.