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Kommentar: Keine Panik in der Arztpraxis

Bis zum Wochenende war die Impfkampagne gegen Schweinegrippe für viele lediglich eine groß angelegte Verkaufsaktion der Pharmaindustrie. Doch dann starben drei Menschen. Von Karl-Heinz Karisch

Karl-Heinz Karisch ist Wissenschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Karl-Heinz Karisch ist Wissenschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Deutschland, das Land der Extreme. Bis zum Wochenende war die Impfkampagne gegen Schweinegrippe für viele lediglich eine groß angelegte Verkaufsaktion der Pharmaindustrie. Verschwörungstheorien geisterten durchs Internet. Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sah sich strengen Befragungen durch die Presse ausgesetzt. Dabei hatte sie nur umgesetzt, was Experten dringend rieten: möglichst rasch möglichst viel Impfstoff zu beschaffen. Es müsse befürchtet werden, dass sich im Winter der herkömmliche Grippeerreger mit der Schweinegrippe vermische und ein extrem gefährliches neues Virus entstehen könne.

Bislang sind Erkrankungen mit der nun auch Neue Grippe genannten Infektion viel milder verlaufen als die saisonale Grippe, die jährlich etwa 8000 Todesopfer in Deutschland verursacht. Doch die drei Todesfälle vom Freitag beunruhigen auch hierzulande, zumal da die Schweinegrippe in anderen Ländern heftiger verläuft. In Großbritannien sind bei ähnlichem Krankenstand bereits rund hundert Menschen gestorben, in der Ukraine redeten manche am Wochenende bereits von "Notstand".

Ob das rasche Handeln Ulla Schmidts gerechtfertigt war, wird erst am Ende des Winters feststehen. Das Misstrauen gegen das Impfen könnte viel eher kippen. Falls es wirklich zum großflächigen Ausbruch der Neuen Grippe kommen sollte, falls die Menschen die Arztpraxen stürmen, um sich die Spritze geben zu lassen, dann steht ausreichend Impfstoff bereit. Der hat sich bislang als gut verträglich erwiesen. Niemand ist zur Impfung gezwungen, jeder kann in Ruhe überlegen. Keine Panik also, trotz einiger Hiobsbotschaften.

Autor:  Karl-Heinz Karisch
Datum:  1 | 11 | 2009
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