Man hätte sich schon lange ein klares Wort des Bundespräsidenten zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gewünscht. Eine Rede zum Beispiel, in der er Sinn und Zweck dieser für die Soldaten lebensgefährlichen und für die Bürger äußerst kostspieligen Unternehmung nachvollziehbar begründet hätte. Nun hat er sich mit einer fast beiläufigen Bemerkung in einem flüchtig geführten Interview in die Debatte eingeschaltet - und dem Krieg in Afghanistan eine ganz neue Dimension gegeben: Er diene auch der Sicherung von Handelswegen der Exportnation Deutschland und damit heimischen Arbeitsplätzen. Jedenfalls legt er diesen Schluss nahe.
Man fragt sich, ob das wirklich nur eine unglückliche Formulierung war, wie auch die Bundesregierung glauben machen möchte. Oder ob der Weltökonom Köhler nicht doch einen blitzartigen Einblick in sein wirkliches Denken und das entscheidender Teile der politischen Elite des Westens gewährt hat. Schon im Irak-Krieg wurde selten über die ökonomischen Hintergründe des von US-Präsident Bush als Feldzug für die Freiheit deklarierten Einmarsches in das Land gesprochen, obwohl der Zugriff auf die Ölquellen ein veritables Motiv für den Waffengang war. Afghanistan hat solche Rohstoffe nicht, doch der Sicherung von Handelswegen kann die militärische Hegemonie in der Region selbstverständlich dienen. Der Bundespräsident hat, wahrscheinlich unbeabsichtigt, eine neue Kriegsdebatte ausgelöst. Sie erfolgreich zu führen, wird den Verteidigern des Afghanistan-Einsatzes nun noch schwerer fallen. Aber von Horst Köhler ist ein klares, ein klärendes Wort zu erwarten.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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