Für den Kölner Erzbischof Joachim Meisner stellt der britische Evolutionsbiologe und öffentlichkeitswirksam bekennende Atheist Richard Dawkins eine große Gefahr dar. Dieser nämlich vertrete mit seinem darwinistisch geprägten Weltbild eine gottlose Haltung, wie sie auch den Nationalsozialismus ausgezeichnet habe. Ganz offenbar möchte Meisner, anders als der amtierende Papst, von einer innigen Verbindung aus wissenschaftlicher Vernunft und Gottesglaube nichts wissen. Deswegen will er nicht weniger öffentlichkeitswirksam und sendungsbewusst als Dawkins die Sache ein für alle Mal klären. Und deswegen greift er zum stärksten Wort, das es in unserer Öffentlichkeit gibt - Nationalsozialismus.
Bekanntlich haben dergleichen Nazi-Vergleiche eher die Tendenz zur Verharmlosung historischer Sachverhalte. Womit Meisner glaubt, eine Debatte zu befeuern und Aufmerksamkeit herstellen zu müssen, verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus. Ein weiteres Problem: Für den Erzbischof wird der Nationalsozialismus zum Inbegriff der Gottlosigkeit oder, etwas genauer, Gottesferne der Menschen, mithin also zum Inbegriff der Sünde; einer Sünde allerdings, die sich auch des Segens der römisch-katholischen Kirche sicher sein konnte. Genau das aber verschweigt Meisner und tut damit auch seinem Glauben keinen Gefallen.
Sünde oder Gottesferne haben übrigens elementar mit Freiheit zu tun. Wir dürfen vermuten, dass Meisner, so rustikal, wie er auftritt, seine Schwierigkeiten mit der menschlichen Freiheit hat. Das wiederum hat er mit seinem Gegenüber Dawkins gemeinsam. Beide sind sich ähnlicher, als es den ersten Anschein hat.
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