kalaydo.de Anzeigen

Kommentar: Kurt-Theodor zu Beck

Als Kurt Beck vor gut zwei Jahren den moderaten Taliban in die bundespolitische Debatte einführte und dazu Gespräche mit den Aufständischen forderte, erntete er Hohn von Karl-Theodor zu Guttenberg. Nun aber wandelt der auf genau jenem Pfad. Von Rouven Schellenberger

Rouven Schellenberger ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau
Rouven Schellenberger ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau
Foto: FR

Ein Amt verändert. Ja, ein Amt bildet sogar. Zu beobachten ist dies zurzeit aufs Vorzüglichste bei Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Kaum im neuen Job, spricht sich der CSU-Politiker nun für Gespräche mit Teilen der Taliban aus. Schließlich bedrohe nicht jeder afghanische Aufständische gleich die westliche Gemeinschaft. Was Guttenberg da sagt, muss - davon gehen wir aus, weil wir ein grundsätzlich positives Menschenbild haben - die Krönung eines langen, schmerzlichen inneren Meinungsumbildungsprozesses gewesen sein.

Guttenberg wandelt im Dezember 2009 auf genau jenem Pfad, den im April 2007 ein SPD-Chef namens Kurt Beck beschritten hatte - sehr zur Empörung der Union. Beck führte den moderaten Taliban in die bundespolitische Debatte ein und forderte obendrein Gespräche mit den Aufständischen. Er erntete dafür Hohn und Spott von der Union. "Ich kenne niemanden, der je einen vernünftigen Taliban getroffen hätte", sagte der Außenpolitiker Guttenberg damals. Heute sagt Guttenberg: "Das Abschneiden von jeglicher Kommunikation halte auch ich mittlerweile nicht mehr für allein gültig."

Wenn wir es gut mit dem amtierenden Verteidigungsminister meinten, dann müssten wir feststellen, dass Beck seiner Zeit und damit auch Guttenberg zwei Jahre voraus war. Wenn wir es schlecht mit ihm meinten, dann stellten wir fest, dass es zwei Guttenbergs gibt: einen mit und einen ohne ministerielle Verantwortung. Einen, der den SPD-Chef beschädigen wollte, und einen, der sich selbst retten will. Vielleicht hoffen wir aber einfach nur, dass es vernünftige Taliban gibt.

Autor:  Rouven Schellenberger
Datum:  21 | 12 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Anzeige

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Videos
Fotostrecke
Plaßmanns Welt (240 Bilder)
Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?