Neue Männer braucht das Land! Zugegeben, schon etwas matt dieser Schlachtruf, aber noch laut genug, um mit Verzögerung auch die Spitzen der Politik einzuholen - zumindest bei den Grünen. Schon bei der Ausschau nach einem männlichen Co-Parteichef waren sie auf seltene Karriere-Enthaltsamkeit gestoßen: Die Anwärter wollten lieber Vater ihrer Kinder sein als Obergurus einer Partei. Nun springt den Grünen mit Volker Ratzmann auch der eine von zwei ernsthaften Kandidaten für den Chefposten ab - mit Verweis auf künftige Vater-Pflichten. Ein überraschender, ein respektabler Schritt.
Denn der Verzicht ist kein bloß taktischer Rückzieher eines womöglich unterlegenen Bewerbers, sondern realistische Einsicht: unser Politikbetrieb ist ein unbarmherziges, kinderfeindliches Geschäft. Es widerspricht den Sonntagsreden von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nicht zufällig sind gängige Politikerkarrieren männlich, mit Frau im Rücken, die die lieben Kleinen fernhält. Jetzt nehmen einige die Verantwortung als Vater an. Gewöhnungsbedürftig. Aber der Politik kann das nur gut tun.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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