Der renommierte New Yorker Großverlag Random House, eine Tochter des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann, hat aus Angst vor islamistischer Gewalt einen Roman kurz vor dem geplanten Erscheinen zurückgezogen. Er handelt vom Leben Aishas, der minderjährigen Ehefrau des Propheten Mohammed.
Die Warnungen einer ursprünglich um ein freundliches Vorwort gebetenen Professorin für Islamische Geschichte sowie die Ankündigung des "skandalösen" Buches auf der Website eines moslemischen Kollegen ließen bei Random die Alarmglocken schrillen: Mit einem Mal stellte das Werk der US-Journalistin Sherry Jones eine erhebliche Bedrohung dar; nicht nur habe Jones die "heilige Geschichte" in einen Softporno verwandelt und das Buch sei deshalb eine Kriegserklärung an alle Muslime, es gefährde auch die nationale Sicherheit.
Eine beeindruckende Karriere für einen Roman, dass er noch vor Veröffentlichung als Sicherheitsrisiko eingestuft wird. Schon werden Parallelen zu Salman Rushdies "Satanischen Versen" gezogen. Doch bleibt die Frage, ob es bei Random kein Lektorat gibt. Oder was hat man sich dabei gedacht? Wollte man den Skandal- wenn auch nur wohldosiert und verkaufsfördernd? Ein zynisch kalkuliertes Spiel mit dem Feuer so wie bei den Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten?
Wenn es bei Random allerdings gute, gar ernsthaft literarische Gründe gab, den Roman zu veröffentlichen, dann ist der Rückzieher unverständlich. Und leichtsinnig: Ein Verlag kann als Privatunternehmen zwar entscheiden wie er will, aber im vorliegenden Fall gibt er einfach unsere Freiheit preis.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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