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Kommentar: Lotse auf Schlingerkurs

Der Hausarzt soll der Lotse durch das Gesundheitssystem sein. Das war das Ziel der vor sechs Jahren eingeführten Praxisgebühr. Doch was geschieht, wenn es keine Hausärzte mehr gibt? Von Jutta Rippegather

Jutta Rippegather ist Regionalredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Jutta Rippegather ist Regionalredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Sie flicken Platzwunden, stellen Diabetiker ein, begleiten Sterbende, impfen Kinder. Landärzte machen Gesundheitschecks und Hausbesuche, schreiben krank und sind oft genug auch Seelsorger. Hausärzte in den Dörfern können fast alles und genießen meist in ihrem Ort große Anerkennung. Weniger selten bei der Kollegenschaft: Fachärzte besitzen in der Regel ein größeres Renommee, und die meisten verdienen auch mehr Geld.

Der Hausarzt soll der Lotse durch das Gesundheitssystem sein. Das war das Ziel der vor sechs Jahren eingeführten Praxisgebühr. Doch was geschieht, wenn es keine Hausärzte mehr gibt? Dann rennt der Patient wieder von Pontius zu Pilatus, bis ihm endlich - womöglich zu spät - geholfen wird.

Die Lösung von Bundesminister Rösler ist eine vom grünen Tisch. Die Praktiker kennen die Realität besser: Bürokratie, unsichere Honorare, familienfeindliche Arbeitszeiten. Das sind die wahren Argumente gegen die Gründung einer eigenen Praxis. Hier muss der Gesetzgeber ansetzen. Die Landkreise können schon allein wegen ihrer schlechten Finanzen nur punktuell und beratend helfen.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  8 | 4 | 2010
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