Der Kriminologe Christian Pfeiffer ist bekannt für klare Thesen, aber auch für überspitzte. So sehr er sich nun bemüht, den Islam nicht an den Pranger zu stellen, indem er auf die Relikte einer Männer-Kultur auch in den christlichen Kirchen verweist, bleibt am Ende seiner Studie über Religiosität und Gewaltbereitschaft doch eine Formel im Gedächtnis: "Muslim, Macho, Schläger".
Sie wird die Integrationsdebatte befeuern; denn sie ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die im Christentum nur die Geste der Nächstenliebe sehen und im Islam die der Faust. Solche Pauschalierungen bringen den Diskurs nicht voran, zumal da die Untersuchung der Kriminologen aus Niedersachsen keinen Kausalzusammenhang zwischen Religion und Gewaltbereitschaft herstellen kann. Dafür wären keine einmaligen Befragungen, sondern Längsschnittstudien nötig, die das Verhalten der Jugendlichen über Jahre hinweg beobachten.
Trotzdem kommt man um eine sachlich-unaufgeregte Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Schülerbefragung nicht herum, die jenseits der plakativen Zuspitzung Fragen aufwirft: Warum fühlt sich nur jeder fünfte junge Muslim der deutschen Gesellschaft zugehörig, während das bei den christlichen Migranten mehr als die Hälfte sind? Warum sind in Süddeutschland alle Konfessionsgruppen signifikant schlechter integriert als im Norden? Und welche Rolle spielt dabei der für Migranten erschwerte Bildungsaufstieg? Die Studie stellt hier zu Recht die Frage nach der Henne und dem Ei. Denn wer sich ausgegrenzt fühlt, zieht sich zurück in die eigene Ethnie. Die Religion wird zur Zuflucht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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