Eine so gute Marketingstrategie erlebt der iranische Präsident Ahmadinedschad bestimmt nicht alle Tage. Für die maximale Aufmerksamkeit, die seine Rede in Genf erhielt - ganz unabhängig davon, wie böse sie ausfiel -, müsste er sich eigentlich artig bei den Boykotteuren der Anti-Rassismus-Konferenz bedanken. Also auch bei Deutschland, dessen Außenminister Steinmeier von Showdown auch was versteht: Absage in letzter Minute - wegen der EU, die in der Frage "Flüchten oder Standhalten" längst gespalten war? Oder weil die Kanzlerin es so wollte? Kleinmut, das weiß man hierzulande nur zu gut, wertet diktatorische Regime erst auf.
Hat etwa die höhere Moral gepachtet, wer gar nicht erst Platz nimmt? Aufstehen und einfach gehen, das zeigte sich am Montag, ist durchaus eine bewegende Demonstration. Als Benimm-Regel für künftige Begegnungen mit Ahmadinedschad auf UN-Boden empfiehlt sich die Politik des leeren Stuhls ohnehin nicht. Oder will Deutschland UN-Generaldebatten fernbleiben, weil nicht sicher ist, ob der Iraner verbalen Schmutz in die gute Stube der Weltgemeinschaft trägt?

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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