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Kommentar: Mehr als nur heiße Luft

Klimaschützer Russland - zwei Wörter, die nicht zusammen passten, dachte man bislang. Doch plötzlich bringt ausgerechnet Moskau Spannung in den Kopenhagener Weltklimagipfel.Von Joachim Wille

Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Klimaschützer Russland. Bisher dachte man: Die zwei Wörter passen nicht zusammen. Doch plötzlich bringt ausgerechnet Moskau Spannung in den Kopenhagener Weltklimagipfel. Die unerwartete Ankündigung von Präsident Medwedew, beim CO2-Ziel für 2020 mit der Europäischen Union gleichziehen zu wollen, bringt die Zögerer und Zauderer aus Washington und Peking unter Zugzwang. Und das ist gut so.

Russland kann sein neues Klimaziel von minus 20 bis 25 Prozent vergleichsweise leicht erreichen. Der Treibhausgas-Ausstoß des Landes liegt heute um 35 bis 40 Prozent unter dem Stand von 1990, das als Basisjahr gilt. Das hat zwei Gründe: Noch immer wirkt sich der Zusammenbruch der ineffizienten Sowjetindustrie günstig auf das CO2-Budget aus, hinzu kam der Abschwung aufgrund der Weltwirtschaftskrise. Russland bliebe bei einem moderaten Wirtschaftswachstum im nächsten Jahrzehnt wohl innerhalb der selbst gesteckten Grenzen. Zumal es in Industrie und Haushalten noch enorme ungenutzte Effizienzpotenziale gibt. Noch immer heizt man dort zum Fenster hinaus.

Trotzdem ist Moskaus Signal nicht zu unterschätzen. Russland verzichtet zumindest zum Teil auf Luftbuchungen, die ihm sehr viel Geld einbringen würden. Nicht genutzte CO2-Rechte könnte Moskau nämlich an andere Staaten verkaufen, die ihre Klimaziele mangels eigener Anstrengungen nicht einhalten. Es mag dahinterstecken, dass ihm die damit bisher oft verbundenen Auflagen zu aufwendig sind. Aber vielleicht stimmt ja auch das: Russland hat erkannt, wie wichtig der Klimaschutz ist. Es wäre eine Sensation.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  18 | 11 | 2009
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