Eine der Reaktionen des Deutschen Fußball-Bundes auf den Suizid von Robert Enke ist ungewöhnlich und setzt einen Maßstab: Der Verband sagt das Länderspiel am Samstag gegen Chile in Köln ab. Oft genug antworten Veranstalter auf tragische Ereignisse mit dem "The games must go on", eine Maxime, die das Internationale Olympische Komitee nach dem Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft während der Spiele von München prägte. Und oft verbirgt sich hinter der vermeintlich persönlichen Begründung ("Die Nichtabsage ist ganz im Sinne des Verstorbenen") doch nur die profane Befürchtung wirtschaftlicher Verluste.
Indem der DFB es nicht bei den Elementen Schweigeminute/Trauerflor belässt, schafft er Raum für Gedenken und Gedanken. Enke litt an Depressionen, aber er traute sich nicht, darüber zu reden, aus Angst vor negativen Reaktionen, aus Angst um seine Familie und seine Stellung in seinem Beruf. Ob ein anderer Umgang mit seiner Krankheit sein Leben gesichert hätte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Fall des ehemaligen Bundesliga-Fußballers Sebastian Deisler, der sich mitten in der Karriere zur Behandlung seiner Depression zurückzog (und vor zwei Jahren den Leistungssport aufgab und die Rolle des Stars beendete), ist womöglich nicht vergleichbar.
Aber es hilft in jedem Fall, wenn Depression den Ruf der Laune verliert, wenn sie als Krankheit akzeptiert wird, über die zu sprechen nicht als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird, sondern für Freunde, Bekannte, Kollegen die dringende Aufforderung ist, sich um den Patienten zu kümmern.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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