Europa schrumpft. Ligurien vergreist. Ostdeutschland verwaist. So weit die pessimistische Deutung des Röntgenbilds, das das Berlin-Institut von Europa erstellt hat. Doch die düstere Diagnose lässt sich auch als positive Therapieempfehlung lesen: Gegen demografischen Wandel hilft mehr Bewegung. Physisch ist die Botschaft längst angekommen. Lautlose Migrationsströme fließen derzeit quer durch Europa. Die Völkerwanderung nach und innerhalb des Kontinents bringt zwar keine Lösung des demografischen Problems. Aber sie zeigt, Gewinner des Bevölkerungswandels werden nur diejenigen sein, die für Zuwanderer attraktiv sind und die das Kunststück meistern, die vielfältigen Gesichter der Migration zum eigenen Markenzeichen zu machen.
Deutschland könnte da eigentlich zum Modellprojekt werden. Hier verläuft auf engem Raum das Gefälle zwischen Ost und West, Nord und Süd, alten Gastarbeitern und hochqualifizierten Migranten, in dem Europa eine Balance finden muss, will es globaler "Player" bleiben. Der Mikrokosmos Germany, nach Japan die am deutlichsten alternde Gesellschaft, hätte beste Voraussetzungen, vorzumachen, wie man den demografischen Wandel als Chance nutzt. Mit Konzepten, die das Land für qualifizierte Zuwanderer attraktiv macht. Mit einer Ausbildungsoffensive für hier lebende Migranten. Mit einer familienfreundlichen Stadt- und Verkehrspolitik, die junge Eltern umwirbt, und neuen Wegen, Alte einzubinden mit ihren Potenzialen und Schwächen. Die Konkurrenz um die Mangelware Mensch könnte das politische Geschäft durchaus beleben. Wenn Deutschland den Wettbewerb aufnimmt, statt sich abzuschotten.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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