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Kommentar: Moskauer Misstrauen

Das Moskauer Vertrauen in die Teheraner Führung scheint ernsthaft erschüttert zu sein. Dazu beigetragen haben brisante Informationen aus den USA. Von Karl Grobe

Dr. Karl Grobe ist Autor der Frankfurter Rundschau.
Dr. Karl Grobe ist Autor der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Beim nächsten Treffen mit den iranischen Atom-Unterhändlern könnte die Sechsergruppe einheitlicher als je zuvor auftreten. Am Donnerstag wird sich der russische Vertreter in der Gruppe wohl recht deutlich äußern; das Moskauer Vertrauen in die Teheraner Führung scheint nämlich ernsthaft erschüttert zu sein. Dazu hat das briefliche Eingeständnis aus dem Iran beigetragen, dass es eine zweite bisher geheime Uran-Anreicherungsanlage gebe.

Wichtiger sind aber die Informationen, die die USA in jüngster Zeit weitergegeben haben. Die sind, wie ein Washingtoner Sprecher jetzt sagte, recht brisant. Die Spionagedienste der Supermacht haben einiges mehr herausgefunden, als die Iraner einräumen, und sie wussten vor dem Brief mehr, als drin steht. Das hat Präsident Medwedew beeindruckt. Im Übrigen ist auch China einschlägig informiert worden; sein Staatschef Hu Jintao übt sich noch in der Tugend, ein "chinesisches Gesicht" zu machen, also Mimik (und Vokabular) strikt zu kontrollieren.

Russische Militärs machen sich neuerdings Sorgen wegen der Raketentests. Wenn der Iran Trägersysteme entwickelt, die dreimal weiter fliegen als die bisher ausprobierten Shahab-3-Projektile, liegt ganz Russland in ihrer Reichweite. Freilich sind das noch keine Träger nuklearer Sprengköpfe. Die hat Iran bisher nicht und müsste sie dann auch erst einmal entsprechend verkleinern. Doch Russlands Raketen-Generale wittern da was. Das verfehlt den Eindruck auf die Kreise nicht, die bisher Sanktionen abgelehnt haben. Die neue Moskauer Linie dürfte sein: Verhandeln, solange es geht. Aber ab jetzt auch mit Sanktionen drohen.

Autor:  Karl Grobe
Datum:  29 | 9 | 2009
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