Clever gemacht ist es schon, das Papier der katholischen Bischöfe zu den Konsequenzen aus den Fällen von Kindesmissbrauch durch Priester. Was Erzbischof Robert Zollitsch in Freiburg vorgestellt hat, enthält wohldosiert eine Reihe von Schlüsselwörtern, nach denen die Öffentlichkeit zu Recht sucht: von A wie Abscheu über die Verbrechen an Schutzbefohlenen, Abbitte und Aufklärung bis Z wie Zölibat.
Da fällt beim flüchtigen Lesen gar nicht weiter auf, welche Begriffe die Erklärung auslässt: "Kirchliche Sexualmoral" zum Beispiel oder "Homosexualität" bei Priestern. Die Lücken sind ein Indiz dafür, dass die Bischöfe nach wie vor den Blick auf hausgemachte Eigentümlichkeiten scheuen, die Kindesmissbrauch begünstigen können. Sie lassen Fachleute sagen, der Zölibat sei "nicht Schuld am Verbrechen sexuellen Missbrauchs". Geschenkt! Aber die Bischöfe unterschlagen den zweiten, entscheidenden Gedanken: Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit kann die Auseinandersetzung mit der Sexualität erschweren, gar verhindern.
Solches Umschiffen von Klippen und Untiefen im kirchlichen Fahrwasser mindert den Wert aller - gewiss sinnvollen und folgerichtigen - Absichtserklärungen. Darum brauchen sich die Bischöfe nicht zu wundern, wenn ihnen trotz einer langen, man könnte fast sagen "aktionistischen" Maßnahmenliste ein Mangel an Beherztheit in puncto Aufklärung vorgeworfen wird. Vordergründig mag Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger übers Ziel hinausgeschossen sein. Auf einer tiefer liegenden Ebene hat ihre Kritik aber weit mehr Berechtigung, als die Bischöfe es wahrhaben wollen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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