Sollte sich irgendjemand beleidigt, verunglimpft oder sonst wie in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt gefühlt haben – dann bedauert Thilo Sarrazin das ungemein.
Mit einem wohltönenden, aber nichtssagenden Formelkompromiss-Klassiker hat die SPD ihr Parteiausschluss-Verfahren gegen Sarrazin abgeblasen. Es ist ein übles Spiel, in dem sich alle Beteiligten als Gewinner wähnen können. Sarrazin hat – bei sorgfältiger Lektüre seiner Erklärung – nicht einen Fehler zugegeben, nicht einen Satz zurückgenommen, keine einzige seiner Ansichten über Migranten in Deutschland revidiert. Wer aus seinem Buch Rassismus oder latente Hassparolen zu lesen glaubte – na, der hat es eben falsch verstanden. Aber das wenigstens tut Sarrazin jetzt leid. Und zur Belohnung darf er in der SPD bleiben, wo er nunmehr komplett Narrenfreiheit genießt. Denn nach zwei vergeblichen Anläufen, ihn loszuwerden, wäre ein dritter Versuch der Gipfel des Lächerlichen.
SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte 2010 zwar den richtigen Impuls, als er Sarrazins krude Thesen nicht länger über SPD-Mikrofone verbreitet wissen wollte. Aber das Ausschlussverfahren war ein untaugliches Mittel. Dem Volkslautsprecher Sarrazin konnte die SPD nicht den Saft abdrehen, ohne in seiner riesigen Fangemeinde den Eindruck zu erwecken, der Partei seien Volkes Stimme und Stimmungen herzlich egal. Jetzt lässt sie Sarrazin gnädig weiterfunken und tut so, als glaubte sie an die zukünftige Mäßigung seiner Botschaften. In Wahrheit ist sie froh, dass sie nicht selbst den größten Beitrag geleistet hat zu Sarrazins Verklärung als „Märtyrer der Meinungsfreiheit“.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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