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Kommentar: Nepper, Schlepper, Ärzte

Im Berliner Skandal haben Assistenten auf Anweisung ihrer Chefs Patienten behandelt - für die Chefarztbehandlung abgerechnet wurde. Verwerflich ist nicht nur der Schaden für Krankenkassen. Von Arnd Festerling

Arnd Festerling leitet die Politikredaktion der Frankfurter Rundschau.
Arnd Festerling leitet die Politikredaktion der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Ich bin gar nicht müde, ist oft der letzte Gedanke, bevor die Betäubung einsetzt. Schlafend ist der Patient vollständig in der Hand der Ärzte. Aber auch bei vollem Bewusstsein ist die Situation des Kranken kaum anders. Der Arzt genießt notwendigerweise ein ganz außerordentliches Vertrauen des Patienten.

Der Kranke ist eben mehr als ein Kunde, er leidet Not und vertraut sich arg- und wehrlos mit dieser womöglich sogar existenziellen Bedrohung seiner Gesundheit dem behandelnden Mediziner an. Daher ist der Missbrauch dieses Vertrauens auch so schlimm.

Patientengefährdung

Im Berliner Skandal haben Assistenten auf Anweisung ihrer Chefs Behandlungen vorgenommen, die denen vorbehalten waren. Das ist kriminell, weil so die Krankenkassen um viel Geld betrogen wurden, es wäre aber besonders verwerflich, sollten sie auch die Gesundheit der Patienten gefährdet haben.

In beiden Fällen können nur schärfste Konsequenzen andere Nepper und Schlepper in Weiß abschrecken. Beruhigend für die letzten Gedanken der Patienten vor der Betäubung: Es waren wohl Ärzte, die dieses ruchlose Treiben angezeigt haben.

Autor:  Arnd Festerling
Datum:  9 | 6 | 2010
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