Da ist er schon wieder. Noch nicht einmal neun Monate nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister arbeitet Karl-Theodor zu Guttenberg offensiv an seinem Comeback. Das Ganze wirkt gut inszeniert: ein politischer Vortrag in Kanada, das Verfahren gegen ihn eingestellt und nun ein großes Interview zur Präsentation seines Buches.
"Vorerst gescheitert" heißt das Werk, das nächste Woche erscheint, und nicht nur der Titel soll klar machen: Beim Guttenberg-Karriereplan ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Es ist ein neuer, geläuterter Guttenberg, will uns diese Inszenierung weismachen. Die Gel-Tolle des Lebemanns ist einer biederen Mittelstandsfrisur gewichen. Das Gesicht soll ohne die neunmalkluge Designerbrille offen und ehrlich wirken. Medienpartner seiner Rückkehr ist die seriöse Zeit, "Bild, Bams und Glotze" haben vorerst ausgedient.
Keine "Bunte"-Homestory à la "Wie Guttenberg und seine schöne Frau Stephanie sich nach Deutschland sehnen".
Boulevard passt eben nicht so recht zum Bild des rechtschaffenen Rückkehrers. Dass das erste große Interview ausgerechnet am Tag nach Einstellung des Verfahrens gegen ihn erscheint, kommt Guttenberg dabei so dermaßen zupass, dass man an einen Zufall kaum glauben mag.
Denn hinter der bieder-seriösen Fassade steckt der alte Guttenberg. Der Mann, der dreister als dreist gelogen und betrogen hat. Der auch angesichts drückender Beweise nicht zugeben wollte, dass er sich eines schweren moralischen Vergehens schuldig gemacht und zudem gegen das Gesetz verstoßen hat.
Nur noch einmal zur Erinnerung: Das Netzwerk Guttenplag fand auf 371 von 393 Seiten von Guttenbergs Doktorarbeit Plagiate – das waren fast 95 Prozent der Arbeit. Mehr als 1200mal hat der einstige Vorzeigepolitiker copy und paste gedrückt. Unter den abgeschriebenen Textstellen waren nicht nur 29 Fragmente aus einem Standardwerk seines Doktorvaters, sondern 23 Passagen, die die Staatsanwaltschaft Hof als Verletzungen des Urheberrechts einstufte.
Mehr als 1200 mal kopiert, und trotzdem bleibt Guttenberg im Zeit-Interview bei seiner Darstellung: "Es war kein Betrug". "Hektisch und unkoordiniert gesammelt" habe er, sagt er auch jetzt noch, "den Überblick verloren", ein "dummer Fehler", ja, aber doch kein vorsätzlicher Betrug. Dass das eine dreiste Lüge ist, ist angesichts der Fülle von Plagiaten nicht nur jedem klar, der selbst studiert und schon im ersten Proseminar die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens eingebläut bekommen hat.
Indem Guttenberg bei dieser offensichtlichen Lüge bleibt, um sein moralisches Komplettversagen schönzureden, verhöhnt er nicht nur alle Wissenschaftler, die Jahre ihres Lebens, Schweiß und Tränen in ihre Doktorarbeit investieren. Er verspottet die gesamte Bevölkerung, die er für so dumm verkaufen will, dass sie ihm sein Märchen abnehmen von den vielen Computern und den 80 Datenträgern, die angeblich schuld am verschweigen so gut wie jeder Quelle in seiner Doktorarbeit waren.
Die acht Monate in den USA haben also offenkundig bei Guttenberg nicht zu der Einsicht geführt, dass es bei einem Neuanfang nicht auf eine gute Medienstrategie, sondern auf eine moralische Neuerung durch ein umfassendes Eingeständnis der eigenen Schuld ankommt.
Er habe vieles richtig und manches falsch gemacht im Leben, sagt er der Zeit. Das könnte man auch die Untertreibung des Jahrhunderts nennen. Von Reue keine Spur. Die kürzest mögliche Abkehr von der deutschen Politbühne sollte einzig und allein dazu dienen, Gras über die Geschichte wachsen zu lassen und das Comeback vorzubereiten.
Guttenberg baut darauf, dass das Gedächtnis des geprellten und belogenen Wahlvolks kurz und der Mangel an charismatischen Politikerfiguren in Deutschland groß ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten Monate ihn eines besseren belehren. Politiker, die ihr eigenes Fortkommen über Volkes Wohl stellen, die sich in Wort und Tat nur vom Machtkalkül und nicht von moralischen Überzeugungen leiten lassen, haben wir in Deutschland nämlich schon genug.
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