Niemand fasst in den Dreck und behält saubere Hände. Für den Wahlkämpfer Barack Obama war es sehr viel einfacher, sich gegen die Foltermethoden der US-Geheimdienste zu wenden, als für den Präsidenten Obama, sie zu ahnden und künftig zu unterbinden.
Für viele Amerikaner wiegen Sicherheitsinteressen so schwer, dass sie den Ruf nach penibel rechtsstaatlichen Standards im Umgang mit Terrorverdächtigen als rein akademisch empfinden. Zudem besteht der vermeintliche Vorteil der Geheimdienste ja darin, dass ihr Tun im Dunkeln bleibt.
Mit an den Kopf gesetzten Bohrmaschinen brauchen sich die US-Bürger also normalerweise gar nicht zu befassen. Wenn solch widerliche Details dennoch bekannt werden, zwingt das die Gesellschaft, vor allem aber den Präsidenten zur Entscheidung: Ein bisschen Rechtsbruch gibt es ebenso wenig wie ein bisschen Haftung. Doch wie es scheint, versucht sich Obama an beidem. Das ist hoch riskant. Mit seiner Wahl verband sich die Hoffnung auf eine neue Politik der sauberen Hände. Obama ist dabei, in den Dreck zu fassen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.