Was hierzulande die bittere Kälte erzwungen hat, wurde in den USA nun doch von der Staatsmacht besorgt. Mangels Dauerfrost hat die Polizei in Washington das Zeltlager der Occupy-Bewegung am McPherson-Square, nahe des Weißen hauses, geräumt. Das Camp war das letzte sichtbare Protestlager der Bewegung in den USA, andere waren bereits zuvor geräumt worden.
Abgeräumt wurden aber nicht nur ein paar Zelte, beseitigt wurde auch das Symbol eines beharrlichen Protestes gegen die Gebaren der Finanzbranche und deren Selbstverständnis. Mit der Besetzung markanter Plätze des öffentlichen Raumes prangerten die Aktivisten sichtlich schutzlos die zerstörerischen Kräfte des Finanzkapitalismus an.
Der Abbruch der Zelte muss deswegen nicht als brachialer Einsatz der Staatsgewalt wahrgenommen werden. Die Occupy-Bewegung hat ihren Selbstanspruch weitgehend eingelöst, die anderen 99 Prozent zu repräsentieren. Hinsichtlich der Finanzmarktpolitik gibt es kaum noch jemanden, der nicht für stärkere Regulierungen der globalen Geldströme und ihre Beweger eintritt. Wie man es ökonomisch und politisch umsetzt, entscheidet sich aber nicht in Parks und auf Plätzen. Über symbolische Kämpfe hinaus lebt Demokratie vor allem vom Vertrauen in seine Institutionen. Occupy setzt sich als praktische Politik durch.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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